Forbach-Herrenwies 2021: Jugendlager und (nachgeholtes) Pfingsttreffen

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Unsere Mit­glieder woll­ten kein zweites Online-Jugend­lager. Wir auch nicht. Aber welche Alter­na­tiv­en gab es und wie kon­nten sie umge­set­zt wer­den?

Inner­halb weniger Wochen und unter den beson­deren Umstän­den eines neuen Teams in unser­er Geschäftsstelle sowie ein­er weltweit­en Pan­demie organ­isierten wir ein hybrides Kinder- und Jugend­lager mit ver­schiede­nen nationalen Grup­pen, die sich sep­a­rat in ihren jew­eili­gen Heimatlän­dern trafen – mit aus­führlichem Hygien­ekonzept und dem Hof­fen auf null Coro­na-Fälle. Wir traut­en uns! Wir woll­ten unseren Kindern und Jugendlichen nach Monat­en des Lock­downs endlich wieder etwas bieten.

Mit­ten im schö­nen Schwarzwald: die Jugend­her­berge For­bach-Her­ren­wies/In the mid­dle of the beau­ti­ful Black For­est: For­bach-Her­ren­wies Youth Hos­tel

 

Mit 85 Teil­nehmenden im Alter zwis­chen einem und 80 Jahren trafen wir uns zum Höhep­unkt des Som­mers in der Jugend­her­berge For­bach-Her­ren­wies, in den Tiefen des Schwarzwaldes, in unmit­tel­bar­er Nähe eines wun­der­schö­nen Stausees, ein­er Bob­bahn und eines Klet­ter­waldes.

Hier grüne Arm­bän­der, dort gelbe und rote – und zack hat­te jede Gruppe einen anderen Zeit­slot für Essen, Bus­fahrten und die ver­schiede­nen Pro­gramm­punk­te. Auch die Ein­teilung der Schlafräume erfol­gte anhand fes­ter Grup­pen. Wo immer möglich ver­sucht­en wir natür­lich, Aktiv­itäten im Freien durchzuführen. Das kon­se­quente Tra­gen von Masken inner­halb des Gebäudes funk­tion­ierte auch deshalb sehr gut.

Coro­na war und ist zwar immer noch nicht abge­sagt, aber manch­mal braucht es nur ein wenig Heimw­erk­er­ar­beit und gesun­den Men­schen­ver­stand, um wieder etwas Nor­mal­ität zurück in den All­t­ag zu brin­gen.

Beim Speed­dat­ing zu Beginn unseres Jugend­lagers beant­worteten die Jün­geren fol­gende Frage: „Was würdet ihr als Köni­gin oder König von Deutsch­land ändern?“ Nicht über­raschend war der Weit­blick unser­er Teilnehmer*innen: „Ich würde machen, dass Coro­na vor­bei ist.“

„Kein Gold, keine Edel­steine, kein Eis – nein, das Ende von Coro­na wird her­beige­sehnt. Wen wun­dert es nach so langer Zeit?“ Diese Zeilen schrieb unsere langjährige und sehr engagierte ehre­namtliche Mitar­bei­t­erin und Rus­sis­chüber­set­zerin Heike Ado­mat nach unserem Jugend­lager.

Bib­ber, bib­ber – Dig­i­tal Detox im Wald

Wir hat­ten für die Dol­metscher­funk­tion von Zoom eigens Sprachmittler*innen akquiri­ert und waren damit bere­it für ein inter­na­tionales Pro­gramm, das an fast allen Tagen für einige Stun­den online durchge­führt wurde. Doch der Schwarzwald ist zwar ein Traum für Spaziergänger*innen und Naturliebhaber*innen, kann aber schnell zum Alb­traum für inter­net­süchtige Stadtbewohner*innen wer­den, die zuständig für ein inter­na­tionales Pro­gramm sind. Die Inter­netverbindung reichte anfangs nicht aus, um unsere sechs Part­neror­gan­i­sa­tio­nen aus der Türkei, den Nieder­lan­den, Polen, Rus­s­land, Alge­rien und Tune­sien per Zoom dazuzuschal­ten.

Ein­mal tief einat­men.

Zum Glück haben wir rechtzeit­ig unsere auf­fal­l­ende Begabung zur Impro­vi­sa­tion ent­deckt.

Ein­mal tief ausat­men.

Let­z­tendlich gelang es uns doch, alle miteinan­der zu verbinden: Zum Beispiel zu einem gemein­samen Filmabend, zu ein­er Foto-Show oder einem Meet­ing, bei dem die Grup­pen sich, ihre Län­der und aktuelle Pro­jek­te vorstellen und sich aus­tauschen kon­nten.

An mehreren Tagen online mit dabei: unsere inter­na­tionalen Partner/On sev­er­al days online with us: our inter­na­tion­al part­ners

 

Da neue Her­aus­forderun­gen die Soli-Fam­i­lie nie erschreck­en, führten wir also drei Par­al­lel­pro­gramme durch.

Ein­mal ein Fam­i­lien­pro­gramm mit furchter­re­gen­der Ein­horn­suche und Nacht­wan­derung, Badespaß, Bob­fahren für Groß und Klein, Klet­ter­garten, Spie­len und Basteln und gle­ichzeit­ig ein Jugend­pro­gramm mit Bogen­schießen, Floßbau und Fahrt über den Stausee. Dazu kam das bere­its erwäh­nte dig­i­tale Pro­gramm mit unseren Part­nern im Aus­land.

Floßbau: Die Soli­ju­gend sticht in See!/Raft build­ing: The Soli­ju­gend sets sail!

 

Die High­lights des Jugend­lagers bleiben dabei unbe­strit­ten der Tage­saus­flug nach Baden-Baden mit dem Besuch des grandiosen Musik­mu­se­ums (in dem wir alle Instru­mente aus­pro­bieren und zusam­men musizieren durften), das Vol­ley­ball- und Tis­chten­nis­turnier und unser tra­di­tioneller, sagen­hafter Gril­l­abend.

Weil der Ansatz unseres Ver­ban­des über sportliche Aktiv­itäten hin­aus­ge­ht, ist es uns ein sehr wichtiges Anliegen zu zeigen, wie die Soli­ju­gend inter­na­tion­al arbeit­et und unsere Mit­glieder auch poli­tisch zu informieren. Aus diesem Anspruch her­aus haben wir die derzeit­i­gen bei­den deutschen UN-Jugend­delegierten ein­ge­laden einen Work­shop auf dem Lager abzuhal­ten. Sie haben uns nicht nur die Geschichte und Auf­gaben der UN erläutert und über ihre Arbeit in New York berichtet, son­dern auch bestätigt, wie wichtig Ver­bände wie die Soli­ju­gend sind, um die Nach­haltigkeit­sziele der UN zu erre­ichen. Der direk­te Aus­tausch mit jun­gen Men­schen weltweit ste­ht im Mit­telpunkt unser­er Arbeit.

Work­shop mit den UN-Jugend­delegierten aus Deutschland/Workshop with the UN Youth Del­e­gates from Ger­many

 

Resilienz ist die Fähigkeit, gelassen­er auf Stress zu reagieren, was ins­beson­dere in Zeit­en von Coro­na von Bedeu­tung ist. Die Resilienz junger Men­schen zu stärken, ist unser Antrieb. Das beste Mit­tel dazu ist, Beziehun­gen zu anderen Men­schen einzuge­hen, zu pfle­gen und in Kon­takt zu treten.

Unser Work­shop zum interkul­turellen Ler­nen diente nicht nur diesem Ziel, son­dern hat­te auch den Zweck, Ambi­gu­i­täten und Wider­sprüche auszuhal­ten und Interkul­tur­al­ität zu fördern. Was heißt es, anderen Raum zu geben und die eige­nen Bedürfnisse ein­mal hin­te­nanzustellen? Was für ein Gefühl löst es aus, sich auf ver­schiede­nen Ebe­nen zu engagieren und anderen zuzuhören, langsam zu sprechen und sich zu ver­ständi­gen, damit andere die Möglichkeit haben mitzure­den? Wer sind wir als Gruppe und wen wollen wir erre­ichen? Wie anspruchsvoll ist es, mehrere Geschicht­en und nicht nur eine „Sin­gle Sto­ry“ zu einem The­ma zu erzählen? Was heißt es in der Prax­is, Vorurteilen ent­ge­gen­zuwirken und Ver­ständ­nis zu zeigen?

Bei alle­dem war Flex­i­bil­ität defin­i­tiv das Schlag­wort des Jugend­lagers: Auf­grund von Coro­na-Maß­nah­men und Wet­ter­launen hat­ten wir uns ständig auf Pro­gram­män­derun­gen einzustellen – Alter­na­tiv­en schaf­fen, dop­pelt kom­mu­nizieren, Ideen sam­meln und Schwarmintel­li­genz waren gefragt und jede*r kon­nte Kom­pe­ten­zen zum Nutzen der gesamten Grup­pen ein­set­zen.

Aus diesem Grund wird bei uns immer ambi­tion­ierte ehre­namtliche Unter­stützung gebraucht, damit unsere vielfältige Arbeit geleis­tet wer­den kann und neue Visio­nen entste­hen kön­nen.

Sich in die Per­spek­tive ander­er hineinzu­ver­set­zen und kulant auf Umstel­lun­gen zu reagieren machte uns let­z­tendlich allen viel Spaß. Wer hätte gedacht, dass das Ver­lassen der eige­nen Kom­fort­zone so aufre­gend sein kön­nte?

Sol­i­darisch­er Blick in die Zukun­ft

Die Pan­demie wird uns noch lange begleit­en und scheint sich nicht an unsere Erwartun­gen und Hoff­nun­gen anpassen zu wollen. Vielmehr sind wir diejeni­gen, die als Vere­in mit inter­na­tionalen Kon­tak­ten unsere Hal­tung anpassen und kreative Konzepte entwick­eln müssen.

In Anbe­tra­cht der gesellschaftlichen (Auf-)dringlichkeiten und der pop­ulis­tis­chen Stim­men scheint es mehr als notwendig, dabei auch über über­ge­ord­nete jugend­poli­tis­che Ziele nachzu­denken: Wie wollen wir gemein­schaftliche Verän­derun­gen vorantreiben? Wie kön­nen wir Par­tizipa­tion und Per­spek­tivwech­sel fördern?

Wesentlich bleibt nach wie vor, uns an den Wün­schen, Inter­essen und Anliegen unser­er Mit­glieder zu ori­en­tieren und ihnen unsere Ressourcen zur Ver­fü­gung zu stellen. Nur dann kön­nen auch in der Zukun­ft nach­haltige und sol­i­darische inter­na­tionale Begeg­nun­gen stat­tfind­en, auf denen Mit­glieder, Ehren- und Haup­tamtliche mit- und voneinan­der ler­nen.

Grillen und Chillen am let­zten Abend/Barbecue and chill out on the last evening

 

Wenn jede*r von uns auf dem Jugend­lager ler­nen kon­nte, mehrere Rollen gle­ichzeit­ig auszuführen und Ver­ant­wor­tungs­be­wusst­sein zu zeigen, von Betreuer*innen bis zu Übersetzer*innen, hat­te das eine wichtige Voraus­set­zung: Ver­ständ­nis und Empathie für andere. Nur so kann Jugen­dar­beit gelin­gen.

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Our mem­bers did­n’t want a sec­ond online youth camp. Nei­ther did we. But which alter­na­tives were there and how could they be imple­ment­ed?

With­in a few weeks, under the spe­cial cir­cum­stances of a new team in our office and a world­wide pan­dem­ic, we orga­nized a hybrid children’s and youth camp with dif­fer­ent nation­al groups meet­ing sep­a­rate­ly in their respec­tive home coun­tries — with a detailed hygiene con­cept and hop­ing for zero Coro­na cas­es. We dared! We want­ed to final­ly offer our chil­dren and young peo­ple some­thing again after months of lock­down.

With 85 par­tic­i­pants aged between one and 80, we met for the peak of the sum­mer at the youth hos­tel in For­bach-Her­ren­wies, in the depths of the Black For­est, in the imme­di­ate vicin­i­ty of a beau­ti­ful reser­voir, a bob­sled run and a climb­ing for­est.

Here green wrist­bands, there yel­low and red ones — and boom: each group had a dif­fer­ent time slot for meals, bus rides and var­i­ous pro­gram points. Even the divi­sion of the dor­mi­to­ries was based on fixed groups. Wher­ev­er pos­si­ble, of course, we tried to do out­door activ­i­ties. The con­sis­tent wear­ing of masks inside the build­ing also worked very well for this rea­son. 

Coro­na was and is still not can­celed, but some­times it just takes some DIY and com­mon sense to bring some nor­mal­i­ty back into every­day life.

Dur­ing speed dat­ing at the begin­ning of our youth camp, the younger ones answered the fol­low­ing ques­tion: “What would you change if you were Queen or King of Ger­many?” Not sur­pris­ing­ly, the fore­sight of our par­tic­i­pants was: “I would make Coro­na pass.”

“No gold, no gems, no ice — no, the end of Coro­na is longed for.” Who is sur­prised after so long? These lines were writ­ten by our long-time and very ded­i­cat­ed vol­un­teer and Russ­ian trans­la­tor Heike Ado­mat after our youth camp.

Bib­ber, bib­ber — Dig­i­tal Detox in the for­est

We had acquired inter­preters for the trans­lat­ing func­tion of Zoom and were thus ready for an inter­na­tion­al pro­gram that was con­duct­ed online for a few hours on almost every day. But the Black For­est, while a dream for walk­ers and nature lovers, can quick­ly become a night­mare for Inter­net-addict­ed city dwellers in charge of an inter­na­tion­al pro­gram. At the begin­ning, the Inter­net con­nec­tion was not suf­fi­cient to con­nect with our six part­ner orga­ni­za­tions from Turkey, the Nether­lands, Poland, Rus­sia, Alge­ria and Tunisia via Zoom.

Take a deep breath in.   

For­tu­nate­ly, we dis­cov­ered in time our strik­ing tal­ent for impro­vi­sa­tion.

And exhale deeply.

In the end, we did man­age to con­nect every­one: For exam­ple, to a joint movie night, a pho­to show or to the farewell evening where the groups could present them­selves, their coun­tries and cur­rent projects and exchange ideas.

Since new chal­lenges nev­er scare the Soli fam­i­ly, we there­fore ran three par­al­lel pro­grams.

One was a fam­i­ly pro­gram with a scary uni­corn hunt and night hike, swim­ming fun, bob­sled­ding for young and old, a climb­ing gar­den, games and crafts, and at the same time a youth pro­gram with archery, raft build­ing and a trip across the reser­voir. In addi­tion, there was the already men­tioned dig­i­tal pro­gram with our part­ners abroad.

The high­lights of the youth camp remain undis­put­ed­ly the day trip to Baden-Baden with a vis­it to the mag­nif­i­cent music muse­um (where we were allowed to try out all the instru­ments and make music togeth­er), the vol­ley­ball and table ten­nis tour­na­ment and our tra­di­tion­al, fab­u­lous bar­be­cue evening.

Because the approach of our orga­ni­za­tion goes beyond sport activ­i­ties, it is very impor­tant for us to show how the Soli­ju­gend works inter­na­tion­al­ly and to inform our mem­bers also polit­i­cal­ly. Out of this demand we invit­ed the cur­rent two Ger­man UN del­e­gates to a work­shop. They not only explained to us the his­to­ry and tasks of the UN and report­ed about their work in New York, but also con­firmed how impor­tant asso­ci­a­tions like the Soli­ju­gend are in order to achieve the sus­tain­abil­i­ty goals of the UN. Direct exchange with young peo­ple world­wide is at the heart of our work.

Resilience is the abil­i­ty to respond more calm­ly to stress, which is par­tic­u­lar­ly impor­tant in times of coro­na. Build­ing young people´s resilience is what dri­ves us. The best way to do this is to bond, con­nect and main­tain rela­tion­ships with oth­ers.

Our work­shop on inter­cul­tur­al learn­ing not only served this goal, but also had the pur­pose to endure ambi­gu­i­ties and con­tra­dic­tions and pro­mot­ing inter­cul­tur­al­i­ty. What does it mean to give space to oth­ers and to put one’s own needs in the back­ground for once? What kind of feel­ing does it trig­ger to engage on dif­fer­ent lev­els and to lis­ten to oth­ers, to speak slow­ly and to com­mu­ni­cate so that oth­ers have the oppor­tu­ni­ty to join in? Who are we as a group and who are we try­ing to reach? How chal­leng­ing is it to tell mul­ti­ple sto­ries and not just a “sin­gle sto­ry” on a top­ic? What does it mean in prac­tice to counter prej­u­dice and show under­stand­ing?

In all of this, flex­i­bil­i­ty was def­i­nite­ly the buzz­word of the youth camp: due to Coro­na mea­sures and weath­er whims, we had to con­stant­ly adapt to pro­gram changes — cre­at­ing alter­na­tives, com­mu­ni­cat­ing twice, col­lect­ing ideas and swarm intel­li­gence were asked. Each per­son could use its com­pe­tences for the ben­e­fit of the whole groups.

For this rea­son, ambi­tious vol­un­teer sup­port is always need­ed in order to accom­plish very diverse work and let´s emerge new visions.        
Final­ly, putting our­selves in the per­spec­tive of oth­ers and respond­ing accom­mo­dat­ing­ly to changeovers was a lot of fun for all of us. Who would have thought that leav­ing one’s com­fort zone could be so excit­ing?

Look­ing to the future with sol­i­dar­i­ty 

The pan­dem­ic will still be with us for a long time and does not seem to want to adapt to our expec­ta­tions and hopes. Rather, we are the ones who, as an inter­na­tion­al orga­ni­za­tion, have to adapt our atti­tude and devel­op cre­ative con­cepts.

In view of the social urgen­cies and pop­ulist voic­es, it seems more than nec­es­sary to think about over­ar­ch­ing pol­i­cy goals: How do we want to dri­ve com­mu­ni­ty change? How can we pro­mote par­tic­i­pa­tion and perspective´s switch?

It remains essen­tial that we ori­ent our­selves to the wish­es, inter­ests and con­cerns of our mem­bers and make our resources avail­able to them. Only then can sus­tain­able and sol­idary inter­na­tion­al encoun­ters take place, where mem­bers, vol­un­teers and staff learn with and from each oth­er.

If each of us at the youth camp could learn to per­form sev­er­al roles at the same time and show a sense of respon­si­bil­i­ty, from super­vi­sors to trans­la­tors, this had an impor­tant pre­req­ui­site: Under­stand­ing and empa­thy for oth­ers. Only in this way can youth work suc­ceed.

 

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