Bereits eine Woche vor Beginn der 61. Internationalen Jugendbegegnungen war eine Gruppe unseres langjährigen Partners AMEJ aus Marokko zu Gast bei der Solijugend Waldbüttelbrunn. Die Woche stand ganz im Zeichen des bilateralen Austauschs: gemeinsame Mahlzeiten, Ausflüge, Gespräche über Geschichte, Kultur und gesellschaftliche Herausforderungen. Stadtführung und Residenz in Würzburg, Schwimmbad, Minigolf und eine Schifffahrt sorgten für intensive gemeinsame Erlebnisse – außerhalb klassischer Seminarräume, aber mit viel Raum für politisches Lernen im Alltag.
Besonders wertvoll war die familiäre Atmosphäre: Gemeinsames Kochen, Restaurantbesuche und lange Gespräche schufen Vertrauen und vertieften die Partnerschaft nachhaltig.
Auch das Thema Nachhaltigkeit wurde praktisch umgesetzt: Mit Bayern-Tickets der Deutschen Bahn erkundete die Gruppe flexibel und ressourcenschonend die Region. Den Abschluss bildete die gemeinsame Weiterreise nach Markt Schwaben – direkt zu den 61. Internationalen Jugendbegegnungen.
Ein herzlicher Dank gilt den Ehrenamtlichen der Solijugend Waldbüttelbrunn, die diese intensive Begegnungswoche mit großem Engagement ermöglicht haben.
Vorbereitung, Ankunft und Auftakt
Vom 2. bis 10. August 2025 wurde das Franz-Marc-Gymnasium in Markt Schwaben bei München dann zum Mittelpunkt internationaler Begegnung. 239 Teilnehmende aus zehn Ländern – Algerien, Deutschland, Marokko, den Niederlanden, Polen, der Slowakei, Tschechien, Tunesien, der Türkei und Vietnam – kamen zusammen, um neun Tage lang unter dem Motto „Weltbürger:innen vereint: Gemeinsam für eine faire und nachhaltige Welt“ zu lernen, zu diskutieren, Sport zu treiben und Gemeinschaft zu leben.
Bereits vor der Anreise der internationalen Delegationen trafen Bundesjugendleitung, Helfer:innen und das hauptamtliche Team aus Offenbach in Markt Schwaben ein. Trotz regnerischem Start wurde organisiert, aufgebaut und vorbereitet – getragen von Teamgeist, Engagement und großer Vorfreude.
Am Samstag eröffnete Bundesvorsitzende Janina Sander das Internationale Jugendlager offiziell und begrüßte die internationalen Gäste – insbesondere den neuen türkischen Partner Pi Youth Association und die Gäste von Vietnam Global Outreach. Damit war der Rahmen gesetzt: Vielfalt, Solidarität und internationale Zusammenarbeit standen im Mittelpunkt.
Kennenlernen, Traditionen und Flexibilität
Beim traditionellen Gruppenfoto am Sonntag, dieses Mal wetterbedingt in der Turnhalle, wurde sichtbar, wie groß und vielfältig das Jugendlager 2025 war. Anschließend sorgte die Lagerolympiade mit kooperativen Spielen für erste Begegnungen, Austausch und Kennenlernen. Auch die traditionellen Wasserspiele der niederländischen Partner NCS fanden 2025 kreativ und flexibel drinnen statt – ein gutes Beispiel dafür, wie internationale Traditionen weiterleben, auch wenn die Bedingungen mal nicht optimal sind.
Workshops: Globales Lernen als Erfahrung – interaktiv, politisch, wirksam
Die Workshops bildeten das inhaltliche Herzstück des Internationalen Jugendlagers. Sie waren konsequent interaktiv, erfahrungsorientiert und partizipativ angelegt: Eigenes Erleben, gemeinsames Reflektieren und aktives Mitgestalten standen 2025 im Mittelpunkt. Die positive Resonanz der Teilnehmenden bestätigte diesen Ansatz deutlich.
Insbesondere das World-Trading-Game, ein Planspiel zur Simulation globaler Handelsbeziehungen, erfreute sich großer Beliebtheit: Die Teilnehmenden übernahmen unterschiedliche Rollen innerhalb der globalen Wirtschaftsordnung: Während einige Gruppen (Staaten) über große Ressourcen verfügten, mussten sich andere mit deutlich schlechteren Ausgangsbedingungen behaupten. Schnell wurde deutlich, dass Erfolg weniger von individuellem Einsatz als von strukturellen Voraussetzungen, Privilegien und Machtverhältnissen abhängt. Von der Spielleitung initiierte Preisschwankungen und unvorhergesehene Ereignisse sorgten für einen schnellen, dynamischen Verlauf. In der anschließenden ausführlichen emotionalen und inhaltlichen Auswertung reflektierten die Teilnehmenden ihre Erfahrungen, lösten sich bewusst aus ihren Rollen und übertrugen das Erlebte auf reale globale Zusammenhänge. Fragen nach Gerechtigkeit, Verantwortung, Wohlstand und solidarischen Alternativen standen auch noch lange nach Ende des Workshops dabei im Mittelpunkt vieler Diskussionen.
Theater der Unterdrückten
Ein weiterer Schwerpunkt war der Workshop „Theater der Unterdrückten“, eine vom brasilianischen Regisseur und Theaterautor Augusto Boal entwickelte Methode, in der die Trennung zwischen Publikum und Spielenden bewusst aufgehoben wird: Während ein Teil der Teilnehmenden kurze Szenen zum Thema Diskriminierung entwickelte, war das Publikum während der anschließenden Aufführung dazu angehalten, aktiv einzugreifen und alternative Handlungsoptionen auszuprobieren. So wurden nicht nur Erfahrungen von Unterdrückung, Macht und Ohnmacht sichtbar gemacht, sondern auch Perspektiven gewechselt. Das Theater diente dabei als ein Werkzeug der Selbstermächtigung, das Mut machte, gesellschaftliche Realität zu hinterfragen und Veränderungen durch eigenes Handeln zu ermöglichen.
Abgerundet wurden diese Bildungsangebote durch kreative Angebote der internationalen Partner, die den interkulturellen Austausch vertieften. Viele Themen und Diskussionen wirkten weit über die Workshopzeiten hinaus und prägten die Gespräche während des gesamten Lagers.
Sport, Praxis und Vorbilder
Natürlich hatten auch Sport und Bewegung erneut einen festen Platz im Programm. Ein besonderer Höhepunkt war der Luftgewehr-Workshop mit der slowakischen Sportschützin Kristina Funková. Mit großer Ruhe und Präzision vermittelte sie technische Grundlagen und zeigte eindrucksvoll, wie wichtig Konzentration, mentale Stärke und Leidenschaft im Sport sind.

Ergänzt wurde dies durch die bewährten Turniere im Fußball und Volleyball, die mit dem großen Finale am Freitagabend endeten, samt spektakulären Küren im Rollkunstlaufen und Kunstradfahren.
Internationale Anerkennung und regionale Einbindung
Ein offizieller Empfang der internationalen Delegationen im Landratsamt Ebersberg unterstrich die Bedeutung der Internationalen Jugendbegegnung. Landrat Robert Niedergesäß begrüßte die Teilnehmenden wertschätzend, Kreisjugendpfleger Jonas Hildwein gab Einblicke in die Jugendarbeit im Landkreis. Die Solijugend präsentierte hier in einem würdigen Rahmen ihre internationale Jugendarbeit und unterstrich deren gesellschaftliche Relevanz.
Darüber hinaus erkundeten die Teilnehmenden die Region Markt Schwaben, unternahmen einen Tagesausflug nach München inklusive eines Besuchs des NS-Dokumentationszentrums sowie einen Tagesausflug nach Salzburg. Gemeinsame Erlebnisse außerhalb des Lageralltags stärkten das Gruppengefühl und vertieften den länderübergreifenden Austausch.
Interkultureller Sommergarten – Abende, die verbinden
Ein fester Bestandteil des Jugendlagers waren auch dieses Jahr die beliebten internationalen Abende im Interkulturellen Sommergarten, bei denen die Gäste sich und ihre Länder vorstellten. Hier wurde getanzt, gelacht, diskutiert und Musik geteilt – oft bis spät in die Nacht. Gerade nach intensiven Workshoptagen entstanden hier Gemeinschaft und Freundschaften ganz selbstverständlich.

Ein großes Dankeschön gilt der engagierten Crew, die trotz des schlechten Wetters zu Beginn der Woche für eine besondere Atmosphäre sorgte – inklusive der unverzichtbaren Pommes-Meister.
Abschied und Ausblick
Der letzte Morgen zeigte ein vertrautes Bild: Koffer wurden gepackt, Briefe geschrieben, kleine Geschenke überreicht und viele alte und neue Freunde umarmt. Abschied nehmen fiel schwer. Das Internationale Jugendlager lebt von der Energie, dem Engagement und der Bereitschaft aller, Verantwortung zu übernehmen und mit anzupacken. Ein besonderer Dank gilt den Freund:innen von AALEJ aus Algerien, die sogar nach der Rückkehr noch beim Ausladen des Materials in Offenbach unterstützten.
Das Internationale Jugendlager 2025 war ein Ort der Gemeinschaft, der politischen Bildung und der internationalen Freundschaft – wir freuen uns schon jetzt auf ein Wiedersehen 2026.

Fotos: Simon Grosch/Marinus Krauss
Mehr Fotos aus Markt Schwaben gibt es hier.
Bewegte Bilder gibt es auf unserem YouTube-Kanal.
