Auf eines ist in unseren Vereinen meistens Verlass: Wenn für ein Vereinsfest ein Kuchenbuffet gebraucht wird, steht am Ende ziemlich sicher viel Selbstgebackenes auf dem Tisch. Auch beim Aufbau, am Grill, an der Kasse oder beim Abbau finden sich Menschen, die mit anpacken.
Und das ist alles andere als selbstverständlich. Dieses Engagement ist die Grundlage unseres Vereinslebens.
Doch an anderer Stelle wird es zunehmend schwieriger: Wer bringt die nächste Idee ein? Wer möchte ein Angebot auf die Beine stellen, eine Freizeit mitgestalten oder sich für ein Thema starkmachen? Und welche Möglichkeiten brauchen gerade junge Menschen, damit aus einer guten Idee echtes Engagement werden kann?
Diese Fragen beschäftigen viele Sportvereine und Jugendverbände – und sie entscheiden mit darüber, wie lebendig und zukunftsfähig unsere Vereine und Verbände bleiben.
Engagement ist da – aber es verändert sich
Gerade bei jüngeren Menschen ist die grundsätzliche Bereitschaft groß, sich gesellschaftlich einzubringen und Dinge mitzugestalten. Gleichzeitig erleben Vereine und Verbände, dass es schwieriger wird, Menschen für längerfristige, kontinuierliche und formal gebundene Ehrenamtsfunktionen zu gewinnen.
Das heißt für uns nicht, dass junge Menschen sich nicht mehr engagieren wollen. Vielmehr müssen wir uns fragen, ob unsere bisherigen Formen des Engagements noch zu unterschiedlichen Lebensrealitäten passen.
Für uns als Jugendverband ist deshalb entscheidend: Wir wollen junge Menschen nicht einfach dafür gewinnen, bestehende Aufgaben und Ämter zu übernehmen. Wir wollen gemeinsam mit ihnen herausfinden, welche Formen von Engagement zu ihrem Leben, ihren Interessen und ihren Vorstellungen von Mitbestimmung passen.
Muss Beteiligung immer mit einem Amt verbunden sein? Können Aufgaben anders verteilt werden? Wie können junge Menschen Verantwortung übernehmen, ohne sich gleich für mehrere Jahre festlegen zu müssen? Wo können sie eigene Ideen verwirklichen und tatsächlich mitentscheiden? Und wie gestalten wir Engagement so, dass es Spaß macht, Gemeinschaft schafft, persönliche Entwicklung ermöglicht und nicht zur dauerhaften Belastung wird?
Genau das möchten RKB und Solijugend gemeinsam mit unseren Vereinen und jungen Menschen herausfinden.
Ein neues Projekt für lebendige und demokratische Vereine
Wir bereiten derzeit einen Antrag für eine Förderung im Bundesprogramm „Demokratie leben!“ vor. Im Mittelpunkt unseres Vorhabens stehen neue Formen von Beteiligung, Engagement und demokratischer Mitgestaltung in unseren Vereins- und Verbandsstrukturen.
Dabei wollen wir ausdrücklich keine fertigen Konzepte am Schreibtisch entwickeln und anschließend den Vereinen präsentieren.
Wir wollen gemeinsam ausprobieren.
Gemeinsam mit jungen Menschen, Vereinen und Engagierten möchten wir herausfinden, welche neuen Beteiligungsformen funktionieren, wie Aufgaben und Verantwortung anders organisiert werden können und welche Begegnungs- und Gestaltungsräume es braucht, damit Menschen ihre Ideen einbringen und Vereins- und Verbandsleben aktiv mitgestalten können.
Denn Demokratie im Jugendverband und Sportverein bedeutet mehr als Satzung, Mitgliederversammlung und Vorstandswahlen. Sie zeigt sich im Alltag: darin, ob junge Menschen gehört werden, eigene Ideen verwirklichen können, Entscheidungen mitgestalten und erleben, dass ihre Stimme tatsächlich etwas bewirkt.
Damit greifen wir zugleich Themen auf, die die Jugendverbandsarbeit und den organisierten Sport insgesamt bewegen. Auch die Deutsche Sportjugend und der DOSB unterstreichen die Bedeutung eines offenen, vielfältigen und demokratischen Sports und echter Beteiligungsmöglichkeiten. Mit unserem Vorhaben möchten wir dazu einen ganz praktischen Beitrag leisten: in unseren Vereinen und Untergliederungen und gemeinsam mit den Menschen, die sie mit Leben füllen.
Dafür suchen wir euch
Für die weitere Entwicklung unseres Vorhabens suchen wir junge Menschen, Engagierte, Jugendgruppen und Vereine, die Lust haben, sich mit uns auf den Weg zu machen.
Vielleicht fragt ihr euch, wie junge Menschen bei euch stärker mitentscheiden und eigene Ideen umsetzen können. Vielleicht erlebt ihr, dass durchaus Lust auf Engagement vorhanden ist, klassische Ämter und langfristige Verpflichtungen aber nicht dazu passen. Vielleicht habt ihr junge Menschen in eurem Verein oder in eurer Gruppe, die etwas verändern möchten – und bislang fehlen dafür die richtigen Räume und Möglichkeiten. Oder ihr habt selbst eine Idee, wie Beteiligung anders funktionieren könnte, und möchtet sie endlich ausprobieren.
Ihr müsst dafür noch keine fertige Lösung haben. Im Gegenteil: Uns interessieren gerade die Herausforderungen, Fragen und Ideen aus eurem echten Vereins- und Verbandsalltag.
Wir suchen Menschen, die bereit sind, neue Wege auszuprobieren, Erfahrungen zu teilen und das Projekt von Anfang an mitzugestalten.
Dabei geht es nicht nur darum, an einem Projekt mitzuwirken. Die beteiligten jungen Menschen, Engagierten und Vereine sollen selbst davon profitieren: Sie bekommen Raum, eigene Ideen auszuprobieren, neue Formen der Zusammenarbeit zu entwickeln und Beteiligung so zu gestalten, dass sie zu ihnen und ihrem Alltag passt.
Lust, mitzumachen?
Dann meldet euch bei uns unter sportopia@rkbsoli.org.
Ganz egal, ob ihr bereits eine konkrete Idee habt, ein bestimmtes Problem angehen möchtet oder zunächst einfach mehr über das geplante Projekt erfahren wollt: Wir freuen uns auf den Austausch.
Kuchen sind schnell gebacken. Was wir gemeinsam entwickeln wollen, ist ein Rezept für lebendige Vereine und Untergliederungen, in denen sich viele Menschen mit ihren Ideen, Fähigkeiten und ihrem Engagement einbringen können.
Denn gute Jugend- und Vereinsarbeit funktioniert am Ende tatsächlich ein bisschen wie ein gutes Kuchenbuffet: Wenn viele ihre Ideen, Fähigkeiten und Perspektiven einbringen können und nicht wenige alles machen müssen, wird es für alle besser.
Bild: KI-generiert
